14. April 2026 News

„Europa exportiert seine eigene Rohstoffsicherheit“

Statement zur Wolframsituation

Der Vorstandsvorsitzende des größten Wolframversorgers außerhalb Chinas fordert Exportrestriktionen für Wolframschrotte als Antwort auf Preisexplosion und Knappheit des kritischen Rohstoffs

Breitenwang/Reutte, 7. April 2026 – Wolfram ist ein kritischer Rohstoff, auf den weite Teile der Industrie angewiesen sind – von der gesamten bearbeitenden Industrie über Luftfahrt und Medizintechnik bis hin zur Elektronik- und Verteidigungsindustrie.

Die Lage am Wolframmarkt verschärft sich seit geraumer Zeit. Weltweit herrscht Mangel, der APT-Preis hat sich seit Anfang 2025 mehr als verfünffacht. China produziert mehr als 80 Prozent des weltweiten Wolframs und kontrolliert den Großteil des Angebots mit Exportkontrollen und - restriktionen. Seit 2025 ist China zudem Nettoimporteur bei Wolfram. Dieser steigende Binnenverbrauch sowie Minenschließungen erhöhen den Druck zusätzlich.

Aber auch Regulierungen außerhalb Chinas spitzen die Lage zu. So haben die USA ein Importverbot für chinesisches Wolfram für bestimmte Anwendungen ab 2027 angekündigt. Und Kunden in Europa und Nordamerika verlangen mehr Transparenz, konfliktfreie Lieferketten und belastbare Herkunftsnachweise.
Trotz dieser von Mangel und steigenden Preisen geprägten Situation exportiert Europa einen Teil seiner Wolframschrotte, die durch Recycling nutzbar gemacht werden könnten. Deshalb fordert Karlheinz Wex, Vorstandsvorsitzender der Plansee Group, des größten Wolframversorgers außerhalb Chinas und Muttergesellschaft von Ceratizit, einen politischen Kurswechsel beim Umgang mit dem industriellen Schlüsselrohstoff: Exportrestriktionen für Wolframschrotte, verbunden mit der Pflicht zur Wiederaufbereitung und Rückführung in regionale Wertschöpfungsketten.

Statement von Karlheinz Wex im Wortlaut:
„Europa diskutiert über Versorgungssicherheit bei Wolfram, als ließe sie sich allein mit neuen Minen herstellen. Das greift zu kurz. Minen sind definitiv ein wichtiger Pfeiler, aber sie sichern Europa weder kurz- noch mittelfristig ab. Dafür braucht die Entwicklung neuer Minenprojekte zu lange. Eine zeitnahe Versorgungssicherheit braucht diversifizierte Lieferketten, die neben langfristigen Abnahmeverträgen mit weltweiten Minenprojekten vor allem auch belastbare regionale Recyclingkreisläufe integrieren.

In diesem Sinne sind Wolframschrotte kein Abfall, sondern eine strategische Quelle für den industriellen Schlüsselrohstoff. Wer sie exportiert, verliert nicht nur einfach Material, sondern industrielle Substanz. In einer Lage, in der Wolfram knapp ist und Preise regelrecht explodieren, ist das wirtschaftlich kurzsichtig und rohstoffpolitisch riskant. Zugespitzt könnte man sagen: Europa exportiert seine eigene Rohstoffsicherheit.

Deshalb brauchen wir Exportrestriktionen für Wolframschrotte. Diese Restriktionen müssen an eine klare
Bedingung geknüpft sein: Wiederaufbereitung und Rückführung in den regionalen Wirtschaftskreislauf. Nur so
entsteht eine tragfähige Kreislaufwirtschaft, die Europa und den Westen widerstandsfähiger macht und Abhängigkeiten von außen spürbar reduziert.

Wolfram eignet sich besonders gut für dieses Vorgehen. Die Recyclingverfahren sind seit Langem vorhanden und die
industrielle Wiederaufbereitung funktioniert. Trotzdem werden rund 70 Prozent des weltweit eingesetzten Wolframs
bis heute nicht recycelt. Wir lassen also einen großen Teil des kritischen Rohstoffs ungenutzt, obwohl wir ihn
dringend benötigen. Das ist ein strategischer Fehler.

Ein weiterer entscheidender Schritt für Europa in Richtung einer resilienten Rohstoffversorgung ist der Aufbau einer strategischen Reserve. Hier sind die USA und China wesentlich weiter. Aber auch das erfordert in einem ersten Schritt die konsequente und systematische Nutzung vorhandener Rohstoffquellen.

Wer kritische Rohstoffe sichern will, muss vorhandene Materialien in der Region halten und wieder nutzbar machen.
Bei Wolfram liegt genau darin ein Schlüssel für mehr Unabhängigkeit, mehr industrielle Stabilität und mehr strategische Handlungsfähigkeit.“

Warum der Fokus auf Minen allein nicht reicht
Neue Minenprojekte gehören zur Lösung. Sie diversifizieren die Versorgung und stärken den Zugang zu Primärmaterial. Doch sie brauchen Jahre bis zur vollen Produktion. Wer Europas Versorgungssicherheit allein darauf stützt, baut auf eine Basis mit langem Vorlauf. Der schnellere Hebel liegt in einer regionalen Rohstoffkreislaufwirtschaft. Genau hier steckt ein bislang zu wenig genutztes Reservoir: Wolframschrotte aus Produktion, Nutzung und Rücknahme. Wenn dieses Material die Region verlässt, verliert Europa wertvolle Zeit, Rohstoffzugang und strategische Kontrolle.

Die Plansee Group: Recycling im industriellen Maßstab
Die Plansee Group gehört zu den wenigen Unternehmen, die Wolframversorgung in großem Maßstab absichern. Als größter Wolframversorger außerhalb Chinas deckt sie die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Aufbereitung der Rohstoffe aus Schrotten oder Konzentraten bis zu kundenspezifischen Werkzeugen und Komponenten. 

Im Geschäftsjahr 2025/26 fertigte die Plansee Group 14.300 Tonnen Wolframprodukte. Rund 12 Prozent aller weltweiten
Wolframprodukte oder Vormaterialien dafür stammen damit aus dem Unternehmen. 91 Prozent dieses Materials
kommen bereits aus Recycling, nur 9 Prozent aus Erzkonzentraten.

Diese Resilienz bei der Versorgung beruht auf drei Faktoren: dem systematischen Einsammeln und Sortieren von Wolframschrotten, hochentwickelten Recyclingverfahren und langfristigen Rohstoffpartnerschaften mit Minenprojekten weltweit. Die Plansee Group verfügt über hohe technologische Flexibilität bei der Umarbeitung von Wolframwerkstoffen und nutzt thermisch-mechanische sowie chemische Recyclingprozesse, um aus unterschiedlichsten Schrotten wieder hochwertige Rohstoffe zu gewinnen. Rückkaufprogramme und Umarbeitungsmodelle für Kunden ergänzen diesen Ansatz.

Über die Plansee Group

Mit den Unternehmensbereichen Plansee und CERATIZIT sowie der Beteiligung an Molymet ist die Plansee Group eines der weltweit führenden pulvermetallurgischen Industrieunternehmen.

Die Plansee Group ist auf Produkte aus den Werkstoffen Molybdän und Wolfram spezialisiert und deckt dabei die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Aufbereitung der Rohstoffe (aus Schrotten oder Erzkonzentraten) bis zu kundenspezifischen Werkzeugen und Komponenten.

Das Produktportfolio umfasst mehr als 100 000 verschiedene Produkte und Werkzeuge. Damit ermöglicht die Plansee Group Hightech-Geräte des täglichen Bedarfs wie Smartphones ebenso wie nachhaltige und effiziente Lösungen für die Mobilität, die Energieversorgung und die industrielle Fertigung.

Die Plansee Group erzielte im Geschäftsjahr 2023/24 mit 11.208 Mitarbeitern einen konsolidierten Umsatz von 2,28 Milliarden Euro.

Das Geschäftsjahr endet mit dem letzten Februartag.

 

Medienkontakt

Dénes Széchényi
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